Clara Louise

 Clara Louise

05.
sep
2016
- GEDANKEN - auf dieser bank
von clara louise

 

aufdieserbank

Ich sitze hier auf dieser Bank und doch fühlt sich so an, als würde ich schweben. Ich halte mit meinen Händen das Holz unter mir fest und schließe die Augen, um mein Gleichgewicht nicht zu verlieren. Ich habe ein wenig Angst, doch das Adrenalin bringt mich in einen Zustand der Schwerelosigkeit. Die Welt um mich herum dreht sich, die Wolken kreisen in Sekundenschnelle und Mond und Sonne wechseln sich in Weindeseile ab. Es ist so, als würde ich vergessen, wo ich bin und nur noch realisieren, was ich bin. Orte und Zeiten verändern sich, doch ich bleibe hier auf dieser Bank und verliere alles, außer den Bezug zu mir selbst. 


 

29.
aug
2016
- GEDANKEN - obwohl
von clara louise

 

Blumen

Und obwohl du nicht weißt, dass ich weiß, was du denkst, wovor du Angst hast und was du dich nicht traust auszusprechen, lasse ich dich lieber in der Unwissenheit, denn ich selbst fürchte mich zu sehr, vor meinem eigenen Spiegelbild, wenn meine Gedanken lauter werden und meine Lippen die Worte formen, die alles verändern. Ich müsste dir sagen, was ich schon lange mit mir herum trage und was du nicht verstehen würdest, denn du wusstest nie, dass du mich verletzt. Du hast nichts falsch getan, nur einfach nie genug.


 

22.
aug
2016
- GEDANKEN - schwer
von clara louise

 

schwer

Ich liege hier auf meinem Boden und starre an die Decke. Ich stelle mir vor, oben wäre unten und andersherum. Wenn die Welt sich plötzlich auf den Kopf stellen würde, was würde dann bleiben und was würde in die Tiefe fallen? Ich schließe die Augen, stelle mir vor ich schwebe durch diesen Raum und fühle meinen schweren Körper nicht mehr, der sich heute so anfühlt, als fließe Metall durch meine Adern. Die Spieluhr, die ich gestern in den alten Kisten auf dem Dachboden entdeckt habe, dreht sich so unbeschwert wie damals, als sich jeder Tag wie ein Abenteuer anfühlte. Die Melodie, die mir noch so bekannt ist und Erinnerungen auslöst an eine Zeit, in der ich einfach nur sein konnte, ohne darüber nachzudenken, was die Welt von mir erwartet.

Als der letzte Ton erklingt, öffne ich meine Augen wieder und stelle fest, dass mittlerweile Nacht ist. Ich stehe auf, spüre festen Boden unter meinen Füßen und denke mir: Was wäre, wenn die Nacht nun Tag wäre und ich alles tun kann, was ich gerade verpasst habe? Gerade, als ich mir diese Fragen stelle, höre ich meine Stimme in meinen Gedanken und verstehe, dass wenn ich will, dieses Spiel nach meinen ganz eigenen Regeln verläuft und es keine Grenzen mehr geben muss. Doch obwohl mir diese Erkenntnis so viel Mut gibt, befürchte ich, dass wenn der Morgen anbricht, ich aus diesem Traum erwache und das Leben seinen gewohnten Lauf nimmt. Vielleicht bleibt mir noch ein bisschen Zeit an diesem Ort, an dem mich niemand stören kann und die Spieluhr mich trägt, in eine Welt, die zwar real ist, aber nicht mehr existiert. 


 

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