Clara Louise

 Clara Louise

29.
aug
2016
- GEDANKEN - obwohl
von clara louise

 

Blumen

Und obwohl du nicht weißt, dass ich weiß, was du denkst, wovor du Angst hast und was du dich nicht traust auszusprechen, lasse ich dich lieber in der Unwissenheit, denn ich selbst fürchte mich zu sehr, vor meinem eigenen Spiegelbild, wenn meine Gedanken lauter werden und meine Lippen die Worte formen, die alles verändern. Ich müsste dir sagen, was ich schon lange mit mir herum trage und was du nicht verstehen würdest, denn du wusstest nie, dass du mich verletzt. Du hast nichts falsch getan, nur einfach nie genug.


 

22.
aug
2016
- GEDANKEN - schwer
von clara louise

 

schwer

Ich liege hier auf meinem Boden und starre an die Decke. Ich stelle mir vor, oben wäre unten und andersherum. Wenn die Welt sich plötzlich auf den Kopf stellen würde, was würde dann bleiben und was würde in die Tiefe fallen? Ich schließe die Augen, stelle mir vor ich schwebe durch diesen Raum und fühle meinen schweren Körper nicht mehr, der sich heute so anfühlt, als fließe Metall durch meine Adern. Die Spieluhr, die ich gestern in den alten Kisten auf dem Dachboden entdeckt habe, dreht sich so unbeschwert wie damals, als sich jeder Tag wie ein Abenteuer anfühlte. Die Melodie, die mir noch so bekannt ist und Erinnerungen auslöst an eine Zeit, in der ich einfach nur sein konnte, ohne darüber nachzudenken, was die Welt von mir erwartet.

Als der letzte Ton erklingt, öffne ich meine Augen wieder und stelle fest, dass mittlerweile Nacht ist. Ich stehe auf, spüre festen Boden unter meinen Füßen und denke mir: Was wäre, wenn die Nacht nun Tag wäre und ich alles tun kann, was ich gerade verpasst habe? Gerade, als ich mir diese Fragen stelle, höre ich meine Stimme in meinen Gedanken und verstehe, dass wenn ich will, dieses Spiel nach meinen ganz eigenen Regeln verläuft und es keine Grenzen mehr geben muss. Doch obwohl mir diese Erkenntnis so viel Mut gibt, befürchte ich, dass wenn der Morgen anbricht, ich aus diesem Traum erwache und das Leben seinen gewohnten Lauf nimmt. Vielleicht bleibt mir noch ein bisschen Zeit an diesem Ort, an dem mich niemand stören kann und die Spieluhr mich trägt, in eine Welt, die zwar real ist, aber nicht mehr existiert. 


 

02.
aug
2016
- GEDANKEN - auf dem selben boot
von clara louise

 

boot

Und obwohl wir auf dem selben Boot sitzen, fühlt es sich an, als lägen Meilen zwischen uns und obwohl ich dich gestern noch glaubte zu kennen, erscheinst du mir heute wie ein Fremder, der mutwillig das Steuer übernimmt, für eine Fahrt, die eine andere Richtung nimmt, als wir einst planten. 

Ich beobachte die Wellen, denn sie geben mir Hoffnung, dass das Licht, welches auf der Oberfläche des Wassers glitzert, auch tiefer bis auf den Grund eindringt, um die Dunkelheit, in der wir uns befinden, endlich zu bekämpfen. 

Obwohl wir nie sagten, was wir voneinander erhofften, glaube ich, dass es jeweils das andere ist. Wir fahren wie zwei blinde Passagiere auf diesem Boot, dass uns langsam zum Ufer treibt. Die letzte Frage, die sich stellt: Werden wir beide dieses Boot verlassen, um wieder festen Boden unter den Füßen zu spüren, oder wird einer von uns für immer auf den Wellen des eisklaren Sees treiben.


 

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